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  Version 2012  

 

Präambel

Diese Ausbildungs- und Diplomprüfungsrichtlinien beruhen auf den seit 1992 entwickelten Konzepten der Österreichischen Gesellschaft für Alpin- und Höhenmedizin und wurden in Übereinstimmung mit den am 27.8.1997 von der Medizinischen Kommission der UIAA (Union Internationale des Associations d`Alpinisme) und der IKAR (Internationale Kommission für alpines Rettungswesen) sowie der ISMM (International Society for Mountain Medicine) beschlossenen internationalen Richtlinien für die Alpinärzteausbildung erstellt.

Das österreichische Ausbildungskonzept wurde von der MEDCOM UIAA und der MEDCOM IKAR am 29.8.1997 in Interlaken, von der ISMM am 24.5.1998 in Matsumoto und von allen drei Institutionen im Oktober 2007 in Aviemore als weltweit erste nationale Alpinmedizin-Ausbildungssystem offiziell approbiert.

Gemäß den internationalen Regulationen und Curriculas handelt es sich um„Common Courses“ zur Erlangung des „Diploma in Mountain Medicine“.

Seit 1998 wird diese Alpinärzteausbildung gemäß dem Kooperationsabkommen vom 20.10.1997 gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Berg und Expeditionsmedizin als österreichisch-deutsche Alpinärzteausbildung mit dem Titel „Internationale Lehrgänge für Alpinmedizin“ veranstaltet. Dies wurde von der UIAA, der IKAR und der ISMM am 28.4.1998 zertifiziert und im Oktober 2007 bis 2011 verlängert. Seit 10.8.2000 besteht zusätzlich eine wissenschaftlich-universitäre Patronanz das Institut für Sportwissenschaft der Universitäten Innsbruck und
durch den IFFB Sport- und Bewegungswissenschaf t der Universität Salzburg.

Diese Ausbildungsordnung regelt Zielsetzung, Struktur, Teilnahmebedingungen (Zielgruppen), Lehrinhalte, Diplomprüfungswesen, Administration, Organisation, Durchführung und Finanzgebarung dieser Vereinsveranstaltungen. Änderungen dieser Ausbildungsordnung können auf Vorschlag des Ausbildungsbeirates
nur von den Vorständen der beiden Gesellschaften beschlossen werden.

 
 

Weltweite Koordination der Curricula und Approbation durch

  • Weltbergsportverband UIAA (Medizinische Kommission)
  • Internationale Kommission für Alpines Rettungswesen IKAR (Medizinische Kommission)
  • International Society for Mountain Medicine ISMM
  Common Courses:
   
   
 
    Diploma in Mountain Medicine  
     
    Speciality Courses:  
 
Mountain Rescue
Expedition and Wilderness Medicine
 
  Diploma in Mountain
Emergency Medicine
Diploma in Expedition
and Wilderness Medicine


1. VERANSTALTER

Die Lehrgänge für Alpinmedizin werden im Sinne der statutengemäß festgelegten Zielsetzungen von der Österreichischen Gesellschaft für Alpin- und Höhenmedizin gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Berg- und
Expeditionsmedizin partnerschaf tlich organisiert und durchgeführt, und zwar in enger Kooperation mit folgenden Organisationen und Institutionen:

  • Institut für Sportwissenschaft der Universität Innsbruck
  • IFFB Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Salzburg
  • Österreichische Ärztekammer
  • Österreichische Akademie der Ärzte
  • Österreichischer Bergrettungsdienst
  • ÖAMTC-Christophorus-Flugrettungsverein
  • Union Internationale des Associations d`Alpinisme (UIAA)
  • Internationale Kommission für Alpines Rettungswesen (IKAR)
  • International Society for Mountain Medicine (ISMM)

2. ZIELSETZUNG UND STRUKTUR

Alle Lehrgänge sind von der Österreichischen Ärztekammer approbierte Diplomfortbildungsveranstaltungen und unterliegen daher den entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen und Verordnungen. Diese postpromotionelle Aus und Weiterbildung von Ärzten in allen Bereichen der Alpin- und Höhenmedizin und der Alpinistik in Theorie und Praxis besteht aus einem dreistufigen Lehrgangssystem:


2.1. LEHRGÄNGE (Common Courses)

  • Winterlehrgang
    Skitourenlehrgang mit Schwerpunkten Kälte-, Lawinen- und Höhenmedizin
  • Frühjahrslehrgang
    Felskletterlehrgang mit Schwerpunkten internistische Alpinmedizin
  • Sommerlehrgang
    Hochtourenlehrgang in Fels und Eis mit Schwerpunkten Berg- und Flugrettung

Jeder dieser Lehrgänge dauert 7 Tage.


2.2. AUSBILDUNGSELEMENTE

  • alpinmedizinische Unterrichte bzw. Seminare
  • alpinmedizinische Praxisübungen
  • alpinistische Aus- und Weiterbildung

Das didaktische Konzept beruht vor allem auf einer engen Verflechtung aller drei Ausbildungselemente. Diese werden so weit wie möglich im Sinne von Unterrichtsprinzipien miteinander vernetzt.

Die medizinischen Lehrgangselemente (Seminare und Praxisübungen) haben gegenüber den alpinistischen Ausbildungsteilen Priorität. Dennoch wird die alpinistische Schulung als besonders wichtig erachtet, da nur alpinistisch versierte Personen auch als alpin- und höhenmedizinisch kompetent erachtet werden. Wegen des mit diesem Anspruch verbundenen Zeitaufwandes umfasst die österreichisch-deutsche Alpinärzteausbildung drei statt wie bei allen alternativen Anbietern zwei Wochenlehrgänge.

Das alpinistische Aus- und Fortbildungskonzept beschränkt sich nicht nur auf die Durchführung geführter Gipfeltouren, sondern vermittelt durch zahlreiche und umfangreiche Übungen im alpinen Gelände und mittels eigenständiger Tourenplanung wie Tourengestaltung die individuelle Weiterentwicklung der Fähigkeiten zur selbstständigen Bergsportausübung eines jeden Teilnehmers.

 

3. TEILNAHMEBEDINGUNGEN

Diese Teilnahmebedingungen werden jedem Interessenten nach seiner Voranmeldung zur Kenntnis gebracht. Sie bef inden sich außerdem auch im Anhang jedes einzelnen Kursprogramms. Die Anzahlung zu den Lehrgangsgebühren gilt als def initive Anmeldung, womit man sich als Teilnehmer mit diesen Teilnahmebedingungen verbindlich und vollinhaltlich einverstanden erklärt.

3.1. TEILNAHMEBERECHTIGUNG UND TEILNEHMERGEBÜHREN
Teilnahmeberechtigt sind ausschließlich Mitglieder der Österreichischen Gesellschaft für Alpin- und Höhenmedizin oder der Deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin, und zwar ÄrztInnen sowie MedizinstudentInnen im letzten Studienabschnitt.

Für alle Teilnehmer eines Lehrganges besteht eine einheitliche Lehrgangsgebühr. Allenfalls auf dem Stützpunkt anwesende Begleitpersonen von Teilnehmern sind vom gesamten Lehrgangsbetrieb ausgeschlossen, insbesondere
von Seminaren und Vorträgen.

3.2. ALPINISTISCHE UND PHYSISCHE VORAUSSETZUNGEN
Ein Einstieg in die Ausbildung ist über jeden der drei Lehrgänge möglich. Alle alpinistischen Könnensstufen sind willkommen, also auch Anfänger, für die alpinistische Anfängergruppen gebildet werden.

Eine gute Gesundheit und die in der jeweiligen Kursbeschreibung spezifisch geforderten konditionellen Voraussetzungen gelten als absolut unverzichtbare Bedingung für jeden Teilnehmer. Sind diese Voraussetzungen bei einem Teilnehmer nicht gegeben, muss aus Sicherheitsgründen innerhalb der ersten beiden Lehrgangstage ein einvernehmlicher Abbruch der Teilnahme bei anteilsweiser Rückerstattung der Aufenthaltskosten in Erwägung gezogen werden.

3.3. ANWESENHEITSPFLICHT
Die aktive Teilnahme an sämtlichen Ausbildungsteilen eines Lehrganges ist verpf lichtend. Die Anerkennung eines Lehrganges (ärztliche Fortbildungszertifikate) erfolgt nur bei vollständiger Anwesenheit des Teilnehmers an allen
Lehrgangstagen und bei allen Programmpunkten. Zu spät anreisende oder frühzeitig abreisende Teilnehmer erhalten keine Lehrgangsbestätigung.

Während des Lehrganges dürfen keine privaten Touren, Skiabfahrten, Kletterübungen und dergleichen unternommen werden.

3.4. ANRECHENBARKEITEN
Die Lehrgänge gelten als postpromotionelle Ärztefortbildung und sind für das österreichische Sportarztdiplom, für das Diplom-Fortbildungssystem der Österreichischen Ärztekammer, für das Fortbildungszertifikat der Bayerischen
Landesärztekammer sowie als Notarzt-Fortbildung (Österreich) anrechenbar. Die entsprechende einheitliche Lehrgangsbestätigung wird nur bei vollständiger Anwesenheit an allen Lehrgangstagen am Lehrgangsschluss übergeben.

3.5. ANMELDEMODALIDÄTEN UND PLATZVERGABE
Alle Anmeldungen erfolgen über das Sekretariat der internationalen Lehrgänge für Alpinmedizin. Die Teilnehmerzahl ist aus Platzgründen lehrgangsspezifisch limitiert, woraus sich organisatorisch ein stufenweiser Anmeldungsmodus
ergibt:

Nach Vorliegen einer schriftlichen Voranmeldung erfolgt die def initive Platzvergabe (Reihung) gemäß dem Einlangen der Anzahlung. Diese Anzahlung gilt dann als verbindliche Anmeldung. Für die definitive Teilnahmeberechtigung ist die Zahlung der gesamten Lehrgangsgebühr bis zum angegebenen Einzahlungstermin Voraussetzung. Es werden keine Wartelisten geführt.

3.6. STORNOREGELUNG
Bei Rücktritt, Abmeldung oder Nichterscheinen - aus welchen Gründen auch immer – gilt für bereits eingezahlte Beträge (Anzahlungen, Restzahlungen) ausnahmslos folgende Regelung:
Bei Rücktritt länger als 28 Tage vor Lehrgangstermin werden die eingezahlten Beträge abzüglich von € 50,00 Bearbeitungsgebühr rücküberwiesen. Bei Rücktritt kürzer als 28 Tage vor Lehrgangstermin können die eingezahlten
Beträge weder rücküberwiesen noch auf andere Lehrgänge umgewidmet werden.
Begründet ist diese Regelung damit, dass die anteilsweisen Kosten eines frei gewordenen Lehrgangsplatzes erhalten bleiben, wenn dieser nicht durch eine Ersatzperson nachbesetzt werden kann. Erfahrungsgemäß ist nur so eine verlässliche Vollbesetzung aller verfügbaren Lehrgangsplätze möglich. Wir empfehlen daher allen Teilnehmern den selbstständigen Abschluss einer Reiserücktrittsversicherung mit entsprechender Deckung.

3.7. RISIKO, BERGFÜHRER, VERANSTALTERHAFTUNG
(Die folgenden Hinweise stellen im Sinne einer korrekten Veranstalterhaf tung
aufgrund der Rechtslage das „Produktrisiko“ klar:)

Bergsteigen ist eine Risikosportart, wobei Unfälle immer möglich sind. Daher ist auch bei allen unseren Lehrgängen stets zu beachten, dass gerade im Bergsport ein erhöhtes Unfall- und Verletzungsrisiko besteht, das auch bei umsichtiger und fürsorglicher Betreuung durch die von uns engagierten Bergführer nicht völlig reduziert oder gar ausgeschlossen werden kann.

Dieses alpine Basisrisiko muss jeder Teilnehmer selbst tragen. Das alpine Risikomanagement ist immer eine Aufgabe aller Beteiligten. Von jedem Teilnehmer wird daher ein zumutbares Ausmaß an Eigenverantwortung und Umsicht, eine angemessene körperliche Eignung und Vorbereitung, eine vollständige und intakte Ausrüstung (gemäß Ausrüstungsliste), aber auch ein
erhöhtes Maß an Risikobereitschaf t vorausgesetzt.

Unsere bewährten Berufsbergführer werden speziell für die Alpinärzteausbildung ausgewählt, sind um bestmögliche Risikobegrenzung bemüht und betreuen alle Teilnehmer besonders umsichtig. Risikominimierung hat bei unseren Lehrgängen stets oberste Priorität.

Wir empfehlen auch den Abschluss einer eigenen Reiseunfallversicherung. Hubschrauberbergungen sind auch in Österreich kostenpf lichtig (falls erforderlich entsprechende Versicherung abschließen). Aus Sicherheitsgründen ebenso wie zur Gewährleistung eines komfortablen und reibungslosen Kursverlaufes werden alle Teilnehmer gebeten, alle Anordnungen der Kursleitung und der Bergführer immer genau zu beachten.


4. LEHRINHALTE

4.1. INTERNATIONALE STANDARDS
Von den drei alpinmedizinischen Dachverbänden MEDCOM UIAA, MEDCOM IKAR und ISMM wird seit 1997 ein weltweit gültiger Lehrzielkatalog präsentiert und permanent weiterentwickelt. Als approbierte Ausbildung bewegen sich unsere Lehrinhalte innerhalb dieser internationalen Lehrzielempfehlung, an deren Weiterentwicklung wir auch selbst aktiv beteiligt sind.

Das Ziel dieser internationalen Standardisierung ist eine Vereinheitlichung aller nationalen Alpinärzteausbildungen auf internationalem Niveau sowie die Festsetzung von Qualitätskriterien mit dem Ziel einer gegenseitige Anerkennung. Approbierte Ausbildungen werden derzeit neben Österreich und Deutschland auch einigen anderen Ländern vorwiegend Europas durchgeführt.

4.2. AUSBILDUNGSELEMENTE

4.2.1. ALPINMEDIZINISCHE SEMINARE
Dauer pro Lehrgang: 20 Stunden (5 Tage á 4 Stunden).
Die lehrgangsbezogene Themenliste wird in Blöcken behandelt, wobei seminarmäßig gestaltete Referate gehalten werden. Grundlage der Seminarunterrichte ist das „Lehrskriptum Alpin- und Höhenmedizin“ in der jeweils zweijährlich aktualisierten Ausgabe.

THEMENKATALOG:

· Alpinistische Leistungsphysiologie und Sportmedizin
· Bewegungs- und Trainingslehre, Steigtaktik
· Leistungsstof fwechsel und Bergsporternährung
· Grenzen der Leistungsfähigkeit im Alpinsport in verschiedenen Höhen
· Ermüdung, Erschöpfung, physiologische Überlebensstrategien
· Alpinistische Eignungskriterien aus internistischer Sicht
· Bergsteigen mit internistischen Vorerkrankungen – der Kranke am Berg
· Orthopädische Erkrankungen und Schäden beim Bergsteigen und
· Sportklettern
· Psychologie des Bergsteigens, Risikomanagement
· Physiologie und Medizin der Mittleren, Großen und Extremen Höhen
· Alpine Reisemedizin
· Medizin des Höhentrekkings und des Höhenbergsteigens
· Sportmedizin der Kinder- und Jugendalpinistik
· Unfallkunde der Alpinistik und des Wintersports
· Alpine Traumatologie
· Internistische Notfälle im Gebirge
· Hypothermie, lokale Kälteschäden und Lawinenmedizin
· Strahlenschäden an Haut und Augen im Gebirge
· Alpine Notfallmedizin, terrestrische Bergrettungsmedizin, Blitzschäden
· Anforderungskriterien an den Bergrettungs/Bergwachtarzt
· Alpine Hubschrauberrettung und Flugrettungsmedizin
· Anforderungskriterien alpiner Flugrettungsarzt
· Alpinmedizinische Ausrüstung
· Geschichte und Entwicklung der Berg- und Flugrettung

AUSBILDUNGSZIELE:
Vermitteln bzw. Vertiefen umfassender Kenntnisse in allen Bereichen der Alpin- und Höhenmedizin. Die Ausbildung wird didaktisch in mehreren Schwerpunkten entwickelt.
Die Lehrgangsbezeichnungen „Winterlehrgang“, „Frühjahrslehrgang“ und „Sommerlehrgang“ beziehen sich nicht auf den Lehrgangstermin, sondern auf die alpinistischen Themenbereiche des jeweiligen Lehrgangs.
Kurzdef inition der einzelnen Lehrgänge:

  • Winterlehrgang: Dieser Lehrgang befasst sich mit dem hochalpinen Winterbergsteigen (Skitourenlehrgang) mit den Schwerpunkten Kälte-, Lawinen- und Höhenmedizin. Einer der Winterlehrgänge wird als Einsteigerkurs für Skitourenneulinge sowie für alternative Wintersportgeräte (z.B. Schneeschuhe,
    Snowboard usw.) im winterlichen Mittelgebirge veranstaltet. Frühjahrslehrgang: Dieser Lehrgang befasst sich mit dem Felsklettern und Bergsteigen allgemein mit Schwerpunkten internistische Alpinmedizin.
  • Frühjahrslehrgang: Dieser Lehrgang befasst sich mit dem Felsklettern und Bergsteigen allgemein mit Schwerpunkten internistische Alpinmedizin.
  • Sommerlehrgang: Dieser Lehrgang befasst sich mit kombinierten sommerlichen Hochtouren im Fels und Eis mit Schwerpunkten Berg- und Flugrettung.

4.2.2. ALPINMEDIZINISCHE PRAXISÜBUNGEN
Dauer pro Lehrgang: 20 Stunden. Diese f inden im hochalpinen Gelände statt, wobei weitgehend in Kleingruppen (Stationsbetrieb) geübt wird.

THEMENKATALOG:
· Ärztliche Erstversorgung am alpinen Unfallort
· Ärztliche Betreuung im Notbiwak
· Spaltensturz, Hängen im Seil
· Lawinenrettungsmedizin
· Terrestrische Bergrettungs- und Abtransporttechniken
· Hyperbare Therapie im Gelände

AUSBILDUNGSZIELE:
Die alpinmedizinische Praxis wird im Gelände unter möglichst realistischen Bedingungen erlernt und geübt.

4.2.3. ALPINISTISCHE AUSBILDUNG

Die alpinistischen Gruppen bestehen aus 5 Personen (Frühjahrs- und Sommerlehrgang) bzw. 6 bis 7 Personen (Winterlehrgang).

Dauer pro Lehrgang 20 - 40 Stunden. Die alpinistische Ausbildung besteht je nach Könnensstand des Teilnehmers sowohl in der alpinistischen Grundschulung als auch in der individuellen Verbesserung alpinistischer Fertigkeiten und Techniken (gesamtes Sommer- und Winterbergsteigen sowie Techniken des Höhenbergsteigens) im Rahmen eines angepassten Übungs- und Tourenprogrammes, durch Unterrichte sowie durch spezielle alpinistische Praxisübungen. Darüber hinaus f inden Vor- und Nachbesprechungen aller Touren und Übungen statt.

THEMENKATALOG:

· Alpinistische Fortbewegungstechniken
· Tourenplanung und Tourengestaltung
· Alpine Gefahren und Unfallkunde
· Seil- und Sicherungstechniken
· Rettungstechniken zur Selbst- und Kameradenhilfe
· Alpinistische Ausrüstungskunde
· Metereologie und Wetterkunde
· Kartenkunde und Orientierung
· Gletscher-, Schnee- und Lawinenkunde
· Gebirgskunde (Geologie)
· Biwakbau
· Alpine Natur und Umwelt

AUSBILDUNGSZIELE:
Diese werden jeweils mit dem persönlichen Leistungsvermögen und mit dem individuellen Ausbildungsstand der anwesenden Teilnehmer in Einklang gebracht. Oberste Zielsetzung ist die Verbesserung des persönlichen alpinistischen Könnens und der Selbsteinschätzung in Hinblick auf eine sichere Durchführung von Bergfahrten, aber auch das richtige Verhalten bei Notfällen und bei alpinen Bergungsaktionen. Eine intensive Vernetzung von Theorie und Praxis wird angestrebt, und zwar unter bestmöglicher Nutzung des alpinen Geländes, der aktuellen alpinen Bedingungen und des alpinistischen Niveaus der Teilnehmer.

Alpinistische Beurteilung: Am Ende jedes Lehrgangs erfolgt in Hinblick auf eine spätere Diplomprüfung eine Beurteilung jedes Teilnehmers in den Bereichen „Alpinistik“ und „Seiltechnik“ durch den Gruppen-Bergführer (Benotung 1 bis 5). Diese Bewertungen erfolgen streng und objektiv und stellen eine Gesamtbeurteilung dar. Die Beurteilungsliste aller Teilnehmer wird vom alpinistischen Ausbildungsleiter dem jeweiligen Lehrgangsbericht beigelegt.



5. DETAILSTRUKTUR DER LEHRGÄNGE

5.1. WINTERLEHRGANG- Skitourenlehrgang mit Schwerpunkten Kälte-, Lawinen- und Höhenmedizin

ALPINMEDIZINISCHE SEMINARE
Vermittlung von Spezialkenntnissen durch jeweils themenbezogene Fachexperten (zum Teil Gastreferenten) in folgenden Themenbereichen:
· Hypothermie und Lawinenmedizin (2)
· Strahlenschäden an Haut und Augen im Gebirge (2)
· Alpine Traumatologie (Teil 1) inklusive lokaler Kälteschäden (2)
· Höhenphysiologie (2)
· Medizin der Großen und Extremen Höhen (6)
· Höhentrekking und Höhenbergsteigen (2)
· Alpine Reisemedizin (1)
· Grenzen der Leistungsfähigkeit im Alpinsport in verschiedenen Höhen (2)
· Orthopädische Erkrankungen und Schäden beim Bergsteigen und Sportklettern (2
)

ALPINMEDIZINISCHE PRAXISÜBUNGEN
· Ärztliche Erstversorgung am Unfallort
· Ärztliche Betreuung im Notbiwak
· Lawinenrettungsmedizin
· Überlebensstrategien im alpinen Gelände
· Hyperbare Therapie im Gelände

ALPINISTISCHE AUSBILDUNG
Diese besteht aus einer Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten zur selbstständigen Durchführung von hochalpinen Skitouren mit einem skiläuferischen Können, das eine sichere Beherrschung von Stemmschwüngen bei jeder Schneeart im mittelsteilen Gelände (bis 30 Grad Neigung) beinhaltet.

Da Tiefschneekenntnisse nicht mehr Voraussetzung für die alpinistische Eignung zum „Diploma in Mountain Medicine“ sind, müssen nur die Teilnehmer der Winterlehrgänge auf der Franz-Senn-Hütte mit kompletter Skiausrüstung erscheinen und auch skiläuferische Basiskenntnisse aufweisen.

Auf dem Winterlehrgang-Termin „Einsteigerkurs“ hingegen kann bei Bedarf eine Schneeschuhgruppe für Interessenten mit alternativen Wintersportgeräten eingerichtet werden.



5.2. FRÜHJAHRSLEHRGANG - Felslehrgang mit Schwerpunkt internistische Alpinmedizin

ALPINMEDIZINISCHE SEMINARE
Alpin- und höhenmedizinische Übersichtsreferate zu folgenden Themenbereichen:
· Alpinistische Leistungsphysiologie und Sportmedizin (2 Stunden)
· Alpinistische Eignungskriterien aus internistischer Sicht (3)
· Bergsteigen mit internistischen Vorerkrankungen – der Kranke am Berg (3)
· Internistische Notfälle im Gebirge (1)
· Ermüdung, Erschöpfung, physiologische Überlebensstrategien im Gebirge (1)
· Alpine Reisemedizin (1)
· Physiologie und Medizin der Mittleren, Großen und Extremen Höhen (7)
· Expeditionsbergsteigen heute (2)

ALPINMEDIZINISCHE PRAXISÜBUNGEN
· Erstversorgung am Unfallort
· Behelfsmäßige Bergrettungstechnik und Abtransport im unwegsamen Gelände

ALPINISTISCHE AUSBILDUNG
Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten des leichten bis mittelschweren Bergsteigens in Fels und Eis durch Erlernen bzw. Verbessern der alpinistischen Technik und des Könnens, wobei für besonders interessierte bzw. befähigte Teilnehmer angestrebt werden kann, einen Anstieg von mittlerer Länge (ca. 300 Höhenmeter) bis zum Schwierigkeitsgrad IV in selbstständiger Seilschaf t sicher zu bewältigen.

 

5.3. SOMMERLEHRGANG - Hochtourenlehrgang im Fels und Eis mit Schwerpunkten Berg- und Flugrettung

ALPINMEDIZINISCHE SEMINARE
Vermittlung von Spezialkenntnissen durch jeweils themenbezogene Experten (Gastreferenten) in folgenden Themenbereichen:
· Alpinistische Eignungskriterien aus internistischer Sicht – Bergsteigen mit internistischen Vorerkrankungen (2)
· Die Tourenapotheke für den Bergsteiger und den bergsteigenden Arzt (1)
· Alpine Traumatologie (Teil 2) (2)
· Psychologie des Bergsteigens (2)

· Sportmedizin der Kinder- und Jugendalpinistik (2)
· Geschichte und Entwicklung der Berg- und Flugrettung (2)
· Anforderungskriterien an den Bergrettungs/Bergwachtarzt (2)
· Alpine Notfallmedizin, terrestrische Bergrettungsmedizin, Blitzschäden (2)
· Internistische Notfälle im Gebirge (1)
· Möglichkeiten und Grenzen der Flugrettung im Gebirge, der ärztliche Flugrettungseinsatz, Anforderungskriterien an den alpinen Flugrettungsarzt (2)

ALPINMEDIZINISCHE PRAXISÜBUNGEN
· Ärztliche Erstversorgung am Unfallsort
· Spaltensturz, Hängen im Seil
· Terrestrische Bergrettungs- und Abtransporttechniken

ALPINISTISCHE AUSBILDUNG
Verbesserung von Kenntnissen und Fertigkeiten des leichten bis mittelschweren Bergsteigens in Fels und Eis, wobei für befähigte Teilnehmer angestrebt werden kann, einen Anstieg von mittlerer Länge (ca. 300 Höhenmeter) bis zum Schwierigkeitsgrad IV in selbstständiger Seilschaf t zu bewältigen.

 

6. DIPLOMPRÜFUNGSORDNUNG

6.1. DIPLOME
Internationales „Diploma for Mountain Medicine“
Die von der UIAA (Union Internationale des Associations d`Alpinisme), der IKAR (Internationale Kommission für alpines Rettungswesen) und der ISMM (International Society for Mountain Medicine) weltweit anerkannte österreichisch- deutsche Alpinärzteausbildung kann durch eine einmal jährlich stattfindende Prüfung mit folgenden Qualif ikationen abgeschlossen werden:

· „Diploma in Mountain Medicine“
Voraussetzungen: Eine nach erfolgreicher Absolvierung von Winterlehrgang, Frühjahrslehrgang und Sommerlehrgang bestandene Prüfung, die einmal jährlich abgehalten wird.
· „Diploma in Expedition and Wilderness Medicine“
Voraussetzungen: Vorher erworbenes „Diploma in Mountain Medicine“ sowie eine nach erfolgreicher Absolvierung des Speziallehrganges „Expedition and Wilderness Medicine“ (Höhenbergsteigen) bestandene Prüfung, die einmal
jährlich abgehalten wird.

Beide Diplomprüfungen können nicht zum selben Termin absolviert werden. Diese beiden Diplome der Weltdachverbände UIAA, IKAR und ISMM sind weltweit gültig.


6.2. WEITERE VORAUSSETZUNGEN ZUR PRÜFUNGSZULASSUNG

  • Mitgliedschaft bei der Österreichischen Gesellschaft für Alpin- und Höhenmedizin oder bei der Deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin.
  • Abgeschlossenes Medizinstudium.
  • Absolventen externer, von der UIAA, der IKAR und der ISMM anerkannter Lehrgänge müssen mindestens einen Lehrgang bei uns absolviert haben.

Der zusätzliche Erwerb des Notarztdiplomes (Österreich) bzw. der Fachkunde Rettungsdienst (Deutschland) wird zur aktiven Ausübung notärztlicher Tätigkeiten im Gebirge empfohlen.

6.3. PRÜFUNGSINHALTE

Theorieprüfung: Schriftliche Multiple-Choice-Prüfung auf der Basis des
aktuellen Lehrskriptums. Es gibt keine Fragenliste zur Vorbereitung.
Praxisprüfung: Entfällt, wenn am Ende der Ausbildung eine positive alpinistische Beurteilung durch unsere Bergführer vorliegt. Liegt keine positive Beurteilung vor, erfolgt während eines Winter- oder Sommerlehrganges eine eintägige praktische Überprüfung jener Fertigkeiten, bei welchen auf den Lehrgängen Def izite festgestellt wurden. Bei schwerwiegenden alpinistischen Mängeln wird vor Prüfungsantritt eine Lehrgangswiederholung
nahegelegt.

6.4. PRÜFUNGSKOMMISSION
Diese besteht aus dem paritätisch von beiden Gesellschaf ten besetzten Ausbildungsbeirat unter Vorsitz der beiden Präsidenten. Der Ausbildungsbeirat setzt den Fragenkatalog zusammen, entscheidet über die Prüfungszulassungund bestätigt die Beurteilung der Prüfungsergebnisse. Gegen die Beschlüsse und Beurteilungen der Prüfungskommission ist keine Berufung möglich.

Ohne die f ristgerechte Anmeldung ist aus administrativen Gründen keine Teilnahme an der Prüfung möglich. Nach erfolgter Anmeldung entscheidet der Ausbildungsbeirat als Prüfungskommission der beiden Gesellschaf ten gemäß den oben genannten Kriterien über die Prüfungszulassung. Wenn diese möglich ist, erhält der Kandidat weitere Informationen zur Prüfung sowie einen Zahlschein zur Überweisung der Prüfungsgebühr (€ 50,--). Nach Einlangen der Prüfungsgebühr kommt man auf die Kandidatenliste.

6.5. TERMINE, PRÜFUNGSORTE, ORGANISATION UND DURCHFÜHRUNG
Jährlich findet nur ein Prüfungstermin statt, und zwar bei Möglichkeit im Zusammenhang mit einem alpinmedizinischen Symposium alternierend in Österreich und in Deutschland, um den Kandidaten auch die Teilnahme am Symposium zu ermöglichen.

Ausschreibung, Administration, Anmeldung, Vorbereitung, Durchführung, Bewertung, Urkunden, Abzeichen, Finanzgebarung usw. erfolgt ausschließlich durch die turnusmäßig zuständige Fachgesellschaft.

Durchführungsbestimmungen:
70 Fragen in maximal 90 Minuten. Die Fragen stammen aus dem gesamten aktuellen Lehrskriptum. Mehrfachantworten sind möglich. Eine Frage gilt aber nur als richtig beantwortet, wenn alle richtigen Antworten angekreuzt sind. Auswertung: Limit 60 % von 70 Fragen, das sind 42 richtige Antworten.

Nach bestandener Prüfung werden Urkunde und Stoffabzeichen per Post zugesandt.

PRÜFUNGSWIEDERHOLUNG
Für das Bestehen der Prüfung müssen mindestens 60% der Multiple-Choice- Fragen richtig beantwortet werden. Wird dieses Limit nicht erreicht, ist eine Prüfungswiederholung möglich, und zwar im folgenden Jahr am regulären
Prüfungstermin. Eine Wiederholungsprüfung ist nur einmal möglich.


Vom Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Alpin- und Höhenmedizin und
vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin
in der derzeit gültigen Form beschlossen.

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